Archiv für den Monat: Mai 2016

Coaching-Havarien

Er ist immer für Klartext zu haben: Dr. Walter Schwertl. Im Interview mit mir für das Coaching-Extraheft von „managerSeminare“ schildert er, was häufig zu Havarien von Coaching-Prozessen führt. Bspw. die – leider immer noch weit verbreitete – Meinung, ein Coaching sei so etwas wie die Hauptuntersuchung beim TÜV … Dort schicke man die unsicheren Kandidaten hin, um sie anschließend gleich wieder auf Vordermann zu bringen.

Mit Business-Coaching haben diese Vorstellungen jedoch nichts gemein

Neben falschen Erwartungen fehle oft aber auch eine entsprechende Vorbereitung: Wie wichtig eine gute Auftragsklärung für einen gelingenden Coaching-Prozess ist, kann man wohl immer noch nicht als selbstverständliches Grundwissen bei Einkäufern in Personalabteilungen voraussetzen. Als absolut fatale Maßnahme geißelt er die vordergründig pfiffige Idee, aus Unsicherheit um den Nutzen von Coaching einen Billiganbieter einzusetzen. „Wenn Organisationen Coachs wie Untergebene behandeln, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn sie an den dummen August geraten.“ Das schade nicht nur dem eigenen Unternehmen, sondern auch der Branche.

Wirksamkeit von Coaching – geht auch „zu gut“?

Seit Jahren hören wir, Unternehmen würden von Coaching sehr profitieren. So drängte sich schon fast der Eindruck auf: Dumm ist, wer es nicht nutzt. Doch es muss nicht immer gut sein, was gut gemeint war … Es kann auch negative Coaching-Wirkungen geben.

Katrin Oellerich wollte deshalb wissen – nachdem sich zuvor die Arbeitsgruppe um Professor Carsten Schermuly  mit den negativen Effekten von Coaching für Klienten oder die Coaches selbst beschäftigt hatte – welches Bild sich aus Unternehmensseite ergibt. Ihr wichtigstes Ergebnis: Alle von ihr interviewten Personen hoben hervor, dass die positiven Wirkungen von Coaching deutlich überwiegen, dass Coaching eine mächtige Maßnahme der Personalentwicklung ist.

„Fishermen’s Friend“

Manchmal wohl auch zu mächtig. Denn als zentrale negative Effekte nennen die befragten Führungskräfte und HR-Mitarbeiter, dass Coaching-Klienten sich zu stark entwickeln könnten. Das produziere dann Unruhe, Verunsicherung, Konflikte im Unternehmen – und sogar Kündigungen.

Tja, es reicht eben aus systemischer Perspektive betrachtet nicht aus, wenn sich nur einer entwickelt … „Fishermen’s Friend“ weiß, so mein Seitenhieb im Post bei MWonline: Sind sie zu stark, bist du zu schwach!