Archiv für den Monat: Oktober 2016

Haltung im Coaching

Der Beitrag von Heide Straub in der Ausgabe 10/2016 der Zeitschrift „wirtschaft + weiterbildung“ über „Widerstände im Coaching“ ärgert mich. Systemisch denkenden Coaches würden den Begriff vermeiden. Das ist eine Frage der Haltung. Denn Widerstand suggeriert mangelnde Compliance. Nach dem Motto, der Coach meint es doch gut mit dem Klienten, aber der ist bockig!

Na ja, Frau Straub ist nachsichtig und sagt: „Widerstand ist legitim“. Man respektiert die Barriere und arbeitet mit ihr. Doch in der Definition von Widerstand wird unterstellt, der Coach weiß es besser als der Klient, sie oder er ist Experte. Der Klient geht aber (noch) nicht mit. Daher muss die Barriere überwunden werden. Die erste heißt laut Straub „Einsichtsbarriere“. Da denke ich mir doch gleich: Und bist Du nicht willig … Peitsche oder Zuckerbrot? Frau Straub wählt letzteres. Sie stellt Fragen, spricht Themen, Ängste, Unsicherheiten an.

Doch Sprache ist verräterisch

Warum so martialisch? Barrieren, Widerstände müssen weggeräumt, überwunden, untergraben werden. Das ist eine klar einseitige Beziehungsdefinition. Widerstand ist unidirektional. Ich würde die Arbeitsbeziehung zweiseitig definieren: auf Augenhöhe. Weil ich es mir nicht anmaße, alles jederzeit besser zu wissen im Coaching. Für mich ist Coaching Koproduktion. Wenn diese nicht rund läuft, wenn wir nicht „im 4. Gang“ fahren, dann mangelt es an Resonanz. Wir beide sind gefordert. Ich denke, das ist ein bemerkenswerter Unterschied in der Haltung.