Archiv für den Monat: August 2018

Kontextwechsel – Zeitreise mit den Stummfilmtagen

34. Internationale Stummfilmtage BonnGerade erst habe ich eine Anregung zum Perspektivenwechsel gegeben. Nun folgt eine zum Kontextwechsel. Wie wäre es mit einer Zeitreise? Wie sah die Welt vor 100 Jahren aus? Was können wir daraus für heute lernen? In Bonn laufen wieder die internationalen Stummfilmtage – zum 34. Mal und wie immer anregend.

Neben mir saß eine Mutter mit ihrem jungen Sohn, der schlicht Bauklötze staunte: Ein Film in schwarz-weiß, ohne Ton, statt dessen mit Live-Musik-Begleitung. Keine schnellen Schnitte: Früher erzählte man Geschichten ohne schnörkel- und atemlose Suspense-Dramatik. Man erlaubte sich auch den einen oder anderen Nebenweg im Erzählfluss. Mimik und Gestik wurden betont, weil ja der Ton fehlte. Was faszinierend ist, man sieht Schauplätze, Technik, Moden, Verhaltensweisen, die es heute nicht mehr gibt. Sie werden im Film lebendig und beschäftigen das Publikum, das natürlich parallel mit dem Heute vergleicht.

Das ist lehrreich. Deshalb zeige ich meinen Studierenden gerne solche Filmausschnitte in meinen Veranstaltungen. Bspw. jenen berühmten Ausschnitt aus Charly Chaplins „Modern Times“ (1936), jene geniale frühe Karikatur des Taylorismus: Chaplin am Fließband. Um dann selbstverständlich einige Fragen hinterher zu schieben: Gibt es solche Arbeitsprozesse heute in Ihrem Arbeitsalltag auch noch? Wo sind die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten? Was hat sich verändert in 100 Jahren – gesellschaftlich, technologisch, beim Bildungsstand der Mitarbeiter, im Bereich Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung, bei der Mitarbeiterführung?

Es dauert in der Regel nur wenige Minuten, bis wir dann bei aktuellen Fragestellungen sind und feststellen, das die vermeintlich ollen Kamellen brennend aktuell sind. Denn die alten Fragen stellen sich angesichts der Digitalisierung mit neuer Schärfe … In meinem Buch führe ich die systemischen Grundlagen (Perspektiven- und Kontextwechsel) für Interessierte weiter aus.

Perspektivenwechsel – mit M.C. Escher

Wenn ich nach den Grundlagen systemischen Denkens gefragt werde, verweise ich u.a. auf die Stichworte Kontext- & Perspektivenwechsel. Das klingt vielleicht für den einen oder die andere zunächst sperrig und erklärungsbedürftig, daher suche ich immer wieder anschauliche Beispiele. Beim Thema Perspektivenwechsel geht kein Weg am Künstler M.C. Escher vorbei. Wer kennt seine Zeichnungen nicht? Sie eignen sich auch ganz hervorragend als visuelle Inputs in Coaching-Prozessen.

Nachdem ich in 2016 die große Escher-Ausstellung in heimischen Brühl (Max Ernst Museum) gesehen hatte, war nun der Kontextwechsel an der Reihe. Auf unserer Radtour rund ums Ijsselmeer haben wir auch einen Abstecher nach Leeuwarden gemacht, der europäischen Kulturhauptstadt 2018. Das Fries Museum zeigt den Meister in einer großen Ausstellung – achtzig Originalgrafiken, etwa zwanzig Zeichnungen und verschiedene Fotos und Gegenstände – bis zum 28. Oktober.

Leeuwarden – europäische Kulturhauptstadt

Der Besuch in Leeuwarden lohnt sich, weil dort noch viel mehr auf die Besucher wartet. So auch das Straßentheater-Ensemble Royal de Luxe mit The Giants (17.-19. August). Oder das faszinierende multimediale Projekt rund um Sprache: Lân fan taal (Land der Sprache). Neben der Escher-Ausstellung also weiteres exzellentes Brain-Food für Coaches – und Führungskräfte, die Anregungen zur Erweiterung des Horizonts suchen. Wen die theoretische Fundierung der systemischen Grundlagen interessiert, findet dazu in meinem Buch weitere Informationen.