Face-to-Face: überbewertet?

Nach intensiver Sichtung der medienpsychologischen Forschung der letzten Jahre kann man zu der Meinung kommen: Im Coaching wird Face-to-Face traditionell überbewertet. Wer das Buch von Elke Berninger-Schäfer Online-Coaching liest, wird in dieser Meinung, die ich selbst schon seit geraumer Zeit hege, bestärkt. Nun gesellen sich weitere Stimmen hinzu. So langsam nimmt das Chorstärke an …

Die Zeitschrift OSC behandelt in der aktuellen Ausgabe das Thema Digitalisierung in der Beratung. Neben der vor Kurzem von mir besprochenen Veränderung des Marktes werden weitere Aspekte betrachtet:

  • Coaching über digitale Kanäle und mit digitalen Tools passt sich in den modernen Arbeitsalltag perfekt ein (Katja Kantelberg)
  • In virtuellen Formaten verändert sich die Begegnung zwischen Coach und Klient, was Vor- und Nachteile mit sich bringt  (Dr. Karin Martens-Schmid)
  • Avatarbasiertes Coaching in einer Gaming-Umwelt könnte für die Coaching-Praxis relevant sein (Jessica Huss & Christiane Eichenberg)
  • Telefon-Coaching ist professionell und keine Billigvariante zum
    Face-to-Face-Coaching (Claudia Bredt)
  • Der Workflow des Coachs lässt sich digital optimieren (Dr. Andreas Knierim)

Ein Zitat aus dem Interview mit Claudia Bredt mag illustrieren, was sich hier verändert und was dabei wichtig ist: „Ich habe aufgehört, das Face-to-Face-Coaching überzubewerten. Ich schenke seitdem der Rahmung des Telefoncoachings besondere Beachtung. Der Klient ist ja wirklich mutig, wenn er sich darauf einlässt. Er muss sich trauen und dafür auf der Seite des Coachs Sicherheit und Verlässlichkeit erfahren. Wichtig ist hier die Botschaft, dass ich dem Klienten diese Form der Beratung als effektives Lernfeld zutraue. Doch eigentlich ist das in der Face-to-Face-Beratung nicht anders. Die Frage des Vertrauens hat aus meiner Sicht wenig mit dem Medium zu tun, sondern vielmehr mit einer verlässlichen Struktur, die ich im Telefoncoaching genauso anbieten kann wie in einer Face-to-Face-Situation“ (S. 351f.).