Personzentrierte Systemtheorie

Wenn mich in den letzten Monaten ein Autor besonders beeindruckt und beeinflusst hat, dann ist das Jürgen Kriz. Der Emeritus für Psychotherapie und klinische Psychologie an der Universität Osnabrück, der auch (weitgehend überlappend) 25 Jahre einen Lehrstuhl in Statistik und Forschungsmethoden hatte, hat sich mit beiden Fachrichtungen recht kritisch auseinandergesetzt und den wissenschaftstheoretischen Mainstream letztlich hinter sich gelassen. In seinem Wissensdrang knüpft er bei der Synergetik des Physikers Hermann Hakens an und hat auf dieser Basis in den letzten Jahrzehnten seine „personzentrierte Systemtheorie“ entwickelt.

Die Kurzfassung und Anwendung für Coaching erschien bereits als „Systemtheorie für Coaches“. Mit diesem Buch legt der Autor die Langfassung und Summe seines Lebenswerks vor, einen Theorieansatz, der einerseits bei der Berliner Schule der Gestaltpsychologie (1930er-Jahre) ansetzt, andererseits multidisziplinäre systemtheoretische Erkenntnisse aufbereitet, die in der akademischen Psychologie in weiten Strecken noch nicht angekommen sind.

Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen – und werde mich sicher das eine oder andere Mal wieder hinein versenken. Denn es ist so anregend dicht, und doch sehr lesbar geschrieben sowie liebevoll bestückt mit zahlreichen Beispielen, dass ich nur sagen kann: Ein Lesemuss für alle Coaches, die sich systemisch nennen, sowie für solche, die es werden wollen. Aus diesem Grund habe ich auch gleich eine Rezension verfasst.