Semantisches Vagabundentum

Die Zeitschrift „Familiendynamik“ wartet in der Ausgabe 1/18 mit dem Schwerpunkt Systemisches Coaching auf. Das musste ich mir gleich anschauen. Unter den vier Beiträgen sticht der von Dr. Hans-Rudi Fischer hervor. Er unternimmt eine Tiefenbohrung in die Philosophiegeschichte, um dem nachzuforschen, was er Semantisches Vagabundentum nennt: Von den Begriffen systemisch und Coaching wisse nämlich niemand so genau, was sie bedeuten sollen …

Ich war beeindruckt von seinen Ausführungen, aber auch irritiert, weil mir doch einige wichtige Aspekte fehlten. Daher habe ich mich gleich hingesetzt und einen Beitrag für managementwissenonline geschrieben. Dort zeichne ich seine Argumentation nach und ergänze sie durch m.E. wichtige Aspekte.

Ist Selbsterkenntnis prinzipiell möglich?

Der Plot der Fischerschen Denkfigur: „Der Ursprung Sokratischer Erkenntnisbemühungen liegt in der Erkenntnis des eigenen Nicht-Wissens. Daraus leitet sich die Suche nach wahrer Erkenntnis ab. Geht es um das Selbst, dann erkennen wir, dass wir nicht wissen, wer und was wir sind. Alles Streben nach Selbsterkenntnis mündet in einen Suchprozess, der problematisch ist. Warum? Wenn wir nach etwas suchen, sollten wir wissen, wonach (was) wir suchen (…). Geht es allerdings um die Suche von etwas, das man (noch) gar nicht kennt, das unbekannt und unbestimmt ist, von dem man daher nicht weiß und nicht wissen kann, ob es das war, was man gesucht hat, wenn man es gefunden hat, landen wir in einer Paradoxie (…). Haben wir unser Selbst gefunden oder erfunden?!“ (S. 13).

Das ist eine starke Pointe! Es fehlt aber meines Erachtens der nächste Schritt. Das konsequente Weiterdenken mittels der Erkenntnisse der modernen Neurobiologie