Archiv der Kategorie: Coaching

Perspektivenwechsel – mit M.C. Escher

Wenn ich nach den Grundlagen systemischen Denkens gefragt werde, verweise ich u.a. auf die Stichworte Kontext- & Perspektivenwechsel. Das klingt vielleicht für den einen oder die andere zunächst sperrig und erklärungsbedürftig, daher suche ich immer wieder anschauliche Beispiele. Beim Thema Perspektivenwechsel geht kein Weg am Künstler M.C. Escher vorbei. Wer kennt seine Zeichnungen nicht? Sie eignen sich auch ganz hervorragend als visuelle Inputs in Coaching-Prozessen.

Nachdem ich in 2016 die große Escher-Ausstellung in heimischen Brühl (Max Ernst Museum) gesehen hatte, war nun der Kontextwechsel an der Reihe. Auf unserer Radtour rund ums Ijsselmeer haben wir auch einen Abstecher nach Leeuwarden gemacht, der europäischen Kulturhauptstadt 2018. Das Fries Museum zeigt den Meister in einer großen Ausstellung – achtzig Originalgrafiken, etwa zwanzig Zeichnungen und verschiedene Fotos und Gegenstände – bis zum 28. Oktober.

Leeuwarden – europäische Kulturhauptstadt

Der Besuch in Leeuwarden lohnt sich, weil dort noch viel mehr auf die Besucher wartet. So auch das Straßentheater-Ensemble Royal de Luxe mit The Giants (17.-19. August). Oder das faszinierende multimediale Projekt rund um Sprache: Lân fan taal (Land der Sprache). Neben der Escher-Ausstellung also weiteres exzellentes Brain-Food für Coaches – und Führungskräfte, die Anregungen zur Erweiterung des Horizonts suchen. Wen die theoretische Fundierung der systemischen Grundlagen interessiert, findet dazu in meinem Buch weitere Informationen.

Webinar: Was ist eigentlich „systemisch“?

Viele beklagen, systemisch sei inzwischen zu einer inhaltsleeren Modevokabel verkommen. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass Johannes Thönneßen mich als Experten für ein Webinar angefragt hat. Wir beide kennen uns vermutlich schon 20 Jahre, aber das Thema hatten wir bislang in der Tiefe gemeinsam auch noch nicht durchwandert.

Ende Juni war es dann soweit. In der Reihe „MWonline im Dialog mit …“ (Teil 4) unterhalten wir uns live und vor Auditorium. Der Mitschnitt (48:34 Min.) ist nun als Video online. Leider sind die Lautstärken nicht optimal: er zu laut, ich zu leise. – Es hat Spaß gemacht!

Die Fragen:

  • Alles ist heutzutage „systemisch“. Wird der Begriff „missbraucht“?
  • Wie würdest du einem Laien in wenigen Sätzen den Gegenstand der System-Theorie erklären?
  • Welchen Nutzen stiftet die Systemtheorie für Berater und Coaches? Woran erkenne ich, ob jemand sich nicht nur „systemisch“ nennt, sondern auch so arbeitet?
  • Wie würdest du einem Klienten das Vorgehen des systemischen Beraters darstellen?
  • Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen systemischen Coaching und lösungsorientierten Coaching?

Forschungskongress: Coaching meets Research

Das waren wieder anregende Kongresstage im Juni auf dem 5. Internationalen Forschungskongress „Coaching meets Research“ an der FHNW in Olten (Schweiz). Wie vor zwei Jahren  waren Organisation und Moderation perfekt. Die Mischung an Formaten und Themen ließ keine Langweile aufkommen. Als Biennale der Coaching-Szene bietet die Veranstaltung die Möglichkeit zum Austausch, zum Netzwerken und zum Blick über den Tellerrand.Forschungskongress Coaching meets Research 2018 in Olten (Schweiz)

Die Themen „Organisation, Digitalisierung und Design“ standen auf dem Kongress im Vordergrund. Und damit vor allem die Chancen und Risiken der digitalen Arbeitswelt sowie die daraus resultierenden Herausforderungen an Coaching und die Coaches. Eine bemerkenswerte Stimme aus der abschließenden Podiumsdiskussion: ZHAW-Forscher Professor Hansjörg Künzli warnte, jeden Tag würden neue Beratungsangebote von Selbsthilfegruppen im Internet aufgemacht, in der Psychotherapie sei „online“ lange schon angekommen, die Wirksamkeit sei mit der „Offline“-Form definitiv vergleichbar, deshalb dürften etablierte Coaches den neuen Herausforderungen nicht vornehm aus dem Weg gehen. – Ganz meine Meinung!

Der wissenschaftliche Fortschritt, das zeigte sich, bewegt sich inzwischen in gutem, breitem Fahrwasser. Die Diskussions- und Kooperationskultur funktioniert. Keine Frage, dass ich in 2020 wieder dabei sein will.

Hier mein ausführlicher Bericht für Coaching-Report.

Gastvortrag: Lösungsfokussiertes Coaching

Das war mir eine besondere Freude, Jörg Middendorf in meinen Master-Kurs an der Kölner Hochschule Fresenius für einen Gastvortrag einzuladen. Jörg ist ein versierter, nach dem Ansatz  des sog. lösungsfokussierten Coachings arbeitender Coach. Dieser Ansatz geht auf Steve DeShazer und Insoo Kim Berg zurück. Letztens erst habe ich Jörgs neues Buch hier positiv  besprochen. Er hat sich Zeit für ein wirklich praxisorientiertes Seminar genommen. Und stellte sich im Anschluss den Fragen der Studierenden.

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die wir dann anschließend im Biergarten noch gemütlich haben ausklingen lassen.

Coaching mit digitalen Medien

Es war ein Fortschritt für die Branche, dass sich der Erdinger Coaching-Kongress 2016 dem Thema Virtuelles Coaching widmete. Inzwischen liegt nun der um zusätzliches Material angereicherte Kongressband vor. Eine beachtenswerte Bestandsaufnahme zum Thema. Den Herausgebern gebührt Dank dafür.

Allerdings – das hatte ich nach anfänglicher Lektüre schon gemutmaßt – war ich im Zweifel, ob das Buch die konzeptionelle Flughöhe gewinnen würde, die ich mir so vorstellte. Meine Zweifel wurden leider nicht zerstreut, so bedauere ich nun in meiner Rezension für das Coaching-Magazin (Online-Vorabveröffentlichung). Erst nach etwa hundert Seiten  ist es soweit:  Gegen Ende des großen zweiten Blocks „Beispiele für Coaching-Online-Plattformen“ – mit dem hervorragenden Beitrag von Elke Berninger-Schäfer und Kollegen über die Eigenentwicklung „CAI® World“. Davor und danach findet sich eine heterogene Sammlung von Beiträgen. Ein Panoptikum, so schillernd wie viele Veröffentlichungen zum Thema Coaching insgesamt: Grenzen sind unscharf – alles ist Coaching, auch wenn es vielmehr Training oder E-Learning ist. Auch der Reflexionsgrad ist recht unterschiedlich: Vom naiv Euphorischen bis zum kritisch Differenzierten.

Eine wichtige Etappe, aber kein Grund zum Ausruhen

Das Buch ist eine wichtige Etappe, aber kein Grund zum Ausruhen, so mein Fazit. Daher freue ich mich jetzt schon auf die Lektüre des neuen Buchs von Elke Berninger-Schäfer Online-Coaching und hoffe, dass ich bald Zeit zum Lesen finden werde. In der Tat, finde ich, sollte man das Feld nicht den quirligen, konzeptionell aber oft unbedarften Akteuren überlassen. Es ist höchste Zeit für die Etablierten, die Hausaufgaben zu machen und das Feld aktiv selbst zu gestalten.

Pflege des Coaching-Images

Image hat weniger mit Fakten als mit subjektiven Einschätzungen zu tun. Nicht was man oder frau selbst über sich denkt, ist relevant, sondern was sich marktseitig spiegelt. Der Aufbau und die Pflege des Coaching-Images ist für Beratungsdienstleistungen extrem relevant, denn Coaching ist eine Dienstleistung und somit ein Vertrauensgut, habe ich gerade in der aktuellen Ausgabe der schweizerischen Zeitschrift bso-Journal (1/18) resümiert: Spieglein, Spieglein an der Wand …

Image hilft vor allem beim Auswahlprozess. Das ist nicht trivial … Klappern gehört zwar zum Handwerk. Aber „richtig“ klappern sollte man können. Es soll nicht aufdringlich sein, aber auch nicht zu bescheiden. Ich habe einmal die Markenpsychologie für die Fragestellung quer gelesen: Gutes Image hat nicht zuletzt auch einen protektiven Wert.

Download: >> Beitrag im bso-Journal (1/18)

Online-Coaching mit Avataren?

Deutsche Coaches halten nicht viel von Online-Coaching, dass hat Jörg Middendorfs Coaching-Umfrage Deutschland 2016 sehr klar heraus gearbeitet. Das mag einerseits einer überheblichen Grundhaltung entspringen, die sich teilweise auch aus Unkenntnis speist. So glaube ich, befindet sich das Gros der etablierten Coaches auf dem medienpsychologischen Stand der 1980er Jahre (Stichwort: Kanalreduktion). Andererseits gibt es auch abschreckende Praxisbeispiele wie dieses Video eines virtuellen Coachings mit Shailia Stephens-Würsig (technologische Basis: TriCAT Spaces). Da stellen sich einem zu Recht die Nackenhaare auf!

So war es sicher ein Fortschritt für die Branche, dass sich der Erdinger Coaching-Kongress 2016 dem Thema Online widmete und dabei Sonnen- wie Schattenseiten virtuellen Coachings heraus arbeitete. Inzwischen ist der Kongressband erschienen, der die Tagungsbeiträge dokumentiert und um weiteres Material anreichert. Doch rückblickend betrachtet mein erster Eindruck beim Reinlesen: überholt … und teilweise altbacken. Es reicht einfach nicht, olle Kamellen der Sorte Marshall McLuhan aufzuwärmen oder mit einer schrägen und unpassenden Differenzierung zwischen Basismedien und Problemlösungsmedien zu hantieren. Das führt nicht weiter, sondern in die Irre. Ich werde meinen ausführlichen Kommentar zum Buch sicher noch schreiben, aber eins scheint mir heute schon wichtig zu sagen: Liebe KollegInnen, macht Eure Hausaufgaben, greift zum medienpsychologischen Lehrbuch! Sonst wird Online-Coaching ohne Euch stattfinden …

Avatare können inzwischen in Echtzeit interagieren

Dabei ist es absolut bemerkenswert, was sich in der Praxis schon abzeichnet. Ich habe schier Bauklötze gestaunt, als ich auf SimCoach gestoßen bin. Das US-amerikanische Militär hat (u.a.) ein Problem: Viele Veterane (z.B. Afghanistan) leiden am Posttraumatischen Belastungssyndrom – holen sich aber kein Hilfe. Die Konsequenz: viele Suizide. Was kann man also machen, um den Leuten ein niedrigschwelliges Angebot zu machen, das ihnen hilft, sich zu orientieren und nach Möglichkeit professionelle Hilfe zu suchen? SimCoach ist ein solches Angebot. Man kann dort anonym mit einem Avatar in Kontakt treten, der eine Hilfestellung anbahnen kann.

Doch das war erst der Anfang! Die Weiterentwicklung der Software kann Emotionen erkennen und adaptiv auf Klienten eingehen, wenn diese sich in den Video-Chat begeben. Schließlich haben die meisten Laptops, Tablets etc. heute eine eingebaute Kamera. Sie glauben nicht, das das funktioniert? Den Exkurs zum Altmeister der Emotionspsychologie Paul Ekman spare ich mir an dieser Stelle: Es funktioniert!

3D-Umgebung für Bewerbungstrainings

Das können nicht nur die Amis, inzwischen wird solches auch in Deutschland genutzt. So hat im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunkts InterEmotio das Projekt EmpaT eine interaktive 3D-Trainingsumgebung für Bewerbungsgespräche erforscht und entwickelt. Das erlaubt Personen, die eigenen sozialen und emotionalen Fähigkeiten in einem interaktiven Dialog mit virtuellen Avataren einzuschätzen und zu verbessern.

DFKI: Mehrkanal-Signal-Klassifikation für die Erkennung affektiver Signal-Sequenzen in EchtzeitDenn Bewerbungssituationen sind für Bewerber wie für Interviewer schwierige, hoch-emotionale Situationen. Die einen haben die Aufgabe, einen positiven Eindruck aufzubauen. Die andere Seite muss sich flexibel auf unterschiedliche Typen einstellen und das Bewerbungsgespräch zielorientiert führen. Das Softwaresystem des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) leistet die Echtzeit-Analyse sozialer Signale (Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung), so dass sich das Verhalten des Trainingsavatars flexibel an die individuelle sozio-emotionale Situation des Bewerbers anpassen kann. Dahinter liegt ein neu entwickeltes Benutzermodell für Emotionen (MARSSI: Model for Appraisal, Regulation and Social Signal Interpretation). Ausgehend von typischen Mensch-Mensch-Interaktionen wurden Mehrkanal-Signal-Klassifikatoren gelernt, die die Erkennung affektiver Signal-Sequenzen in Echtzeit erlauben.

Die Systeme werden immer besser – und die Coaches?

Inzwischen wurden 22 Akzeptanz- und Evaluationsstudien durchgeführt. EmpaT, so zeigen erste Studien, ist besser als die klassische Vorbereitung auf Job-Interviews (Angstreduktion, Körpersprache, Interviewperformance). Natürlich wird hier noch weiter geforscht und menschliche Coaches sind noch lange nicht überflüssig. Doch die Coaches, die in diesem Kontext – auch in Zukunft noch – einen Mehrwert bieten wollen, müssen nicht nur Meister der Kommunikation sein, sie müssen sich auch auf der Höhe der Zeit befinden was Emotionspsychologie sowie Medienkompetenz betrifft und dürfen keine Scheu haben, mit IT-Experten zu kooperieren.

Insofern bin ich sehr gespannt auf die weitere Entwicklung. So steht der diesjährige DBVC-Kongress unter dem Motto Business Coaching – The Next Level. Absolut gespannt bin ich auf das in Kürze erscheinende Buch „Online-Coaching“ von Elke Berninger-Schäfer. Einen Vorgeschmack gibt das Interview mit ihr in der aktuellen Ausgabe 1/18 des Coaching-Magazins.

Lösungsfokussierung im Coaching

Lösungsfokussierung im Coaching umgibt seit Langem eine gewisse Aura, die mit Begeisterung und Skepsis zugleich beschrieben werden kann. Die berühmte Wunderfrage wird inzwischen von gar manchem quasi als Allzweckwaffe im Coaching eingesetzt. Doch „die Wunderfrage ist im eigentlichen Sinne keine einfache Frage“, hält Jörg Middendorf dagegen. „Es ist eher ein Dialog zwischen Klient und Berater, der sich dem Problem Talk anschließt und den Fokus weg vom Problem hin zur Lösung lenkt.“

Lösungsfokussierung: Einfach, aber nicht simpel

Jörg Middendorf ist eine schöne, kurze und doch differenzierte Einführung in lösungsorientiertes Arbeiten für Coaches gelungen. Sein neues Buch habe ich nicht nur gerne gelesen, sondern kurzerhand im Coaching-Magazin rezensiert.

Download: »» Beitrag im CM 1/18

Semantisches Vagabundentum

Die Zeitschrift „Familiendynamik“ wartet in der Ausgabe 1/18 mit dem Schwerpunkt Systemisches Coaching auf. Das musste ich mir gleich anschauen. Unter den vier Beiträgen sticht der von Dr. Hans-Rudi Fischer hervor. Er unternimmt eine Tiefenbohrung in die Philosophiegeschichte, um dem nachzuforschen, was er Semantisches Vagabundentum nennt: Von den Begriffen systemisch und Coaching wisse nämlich niemand so genau, was sie bedeuten sollen …

Ich war beeindruckt von seinen Ausführungen, aber auch irritiert, weil mir doch einige wichtige Aspekte fehlten. Daher habe ich mich gleich hingesetzt und einen Beitrag für managementwissenonline geschrieben. Dort zeichne ich seine Argumentation nach und ergänze sie durch m.E. wichtige Aspekte.

Ist Selbsterkenntnis prinzipiell möglich?

Der Plot der Fischerschen Denkfigur: „Der Ursprung Sokratischer Erkenntnisbemühungen liegt in der Erkenntnis des eigenen Nicht-Wissens. Daraus leitet sich die Suche nach wahrer Erkenntnis ab. Geht es um das Selbst, dann erkennen wir, dass wir nicht wissen, wer und was wir sind. Alles Streben nach Selbsterkenntnis mündet in einen Suchprozess, der problematisch ist. Warum? Wenn wir nach etwas suchen, sollten wir wissen, wonach (was) wir suchen (…). Geht es allerdings um die Suche von etwas, das man (noch) gar nicht kennt, das unbekannt und unbestimmt ist, von dem man daher nicht weiß und nicht wissen kann, ob es das war, was man gesucht hat, wenn man es gefunden hat, landen wir in einer Paradoxie (…). Haben wir unser Selbst gefunden oder erfunden?!“ (S. 13).

Das ist eine starke Pointe! Es fehlt aber meines Erachtens der nächste Schritt. Das konsequente Weiterdenken mittels der Erkenntnisse der modernen Neurobiologie

Wo Coaching zu Hause ist

Dass ein solches Buch über die Räume, in denen Coaches arbeiten, erscheint, zeigt wie hoch die Profession das Thema Reflexion hängt. Hier bündelt und bricht sich das Thema Coaching basal: Coaching-Räume und ihre Gestaltung betrifft Coaches – aber auch deren Klienten. Sie werden zur Bühne, zur Lounge, zum Refugium.

Beratungsräume und ihre Gestaltung

Wer eine Ahnung davon bekommen möchte, worin die Arbeit von Coaches besteht, folgt der Autorin und ihrem Fotografen durch diese Räume. Sie stellt das Dialogische heraus und führt diesen Dialog zugleich. Ein schönes Buch! Ich habe es gerne gelesen und es daher auch lobend aktuell im Coaching-Magazin rezensiert. Download: »» Beitrag im CM 4/17