Archiv der Kategorie: Coaching

Gastvortrag: Lösungsfokussiertes Coaching

Das war mir eine besondere Freude, Jörg Middendorf in meinen Master-Kurs an der Kölner Hochschule Fresenius für einen Gastvortrag einzuladen. Jörg ist ein versierter, nach dem Ansatz  des sog. lösungsfokussierten Coachings arbeitender Coach. Dieser Ansatz geht auf Steve DeShazer und Insoo Kim Berg zurück. Letztens erst habe ich Jörgs neues Buch hier positiv  besprochen. Er hat sich Zeit für ein wirklich praxisorientiertes Seminar genommen. Und stellte sich im Anschluss den Fragen der Studierenden.

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die wir dann anschließend im Biergarten noch gemütlich haben ausklingen lassen.

Coaching mit digitalen Medien

Heller et al (2017). Digitale Medien im CoachingEs war ein Fortschritt für die Branche, dass sich der Erdinger Coaching-Kongress 2016 dem Thema Virtuelles Coaching widmete. Inzwischen liegt nun der um zusätzliches Material angereicherte Kongressband vor. Eine beachtenswerte Bestandsaufnahme zum Thema. Den Herausgebern gebührt Dank dafür.
Allerdings – das hatte ich nach anfänglicher Lektüre schon gemutmaßt – war ich im Zweifel, ob das Buch die konzeptionelle Flughöhe gewinnen würde, die ich mir so vorstellte. Meine Zweifel wurden leider nicht zerstreut, so bedauere ich nun in meiner Rezension für das Coaching-Magazin (Online-Vorabveröffentlichung). Erst nach etwa hundert Seiten  ist es soweit:  Gegen Ende des großen zweiten Blocks „Beispiele für Coaching-Online-Plattformen“ – mit dem hervorragenden Beitrag von Elke Berninger-Schäfer und Kollegen über die Eigenentwicklung „CAI® World“. Davor und danach findet sich eine heterogene Sammlung von Beiträgen. Ein Panoptikum, so schillernd wie viele Veröffentlichungen zum Thema Coaching insgesamt: Grenzen sind unscharf – alles ist Coaching, auch wenn es vielmehr Training oder E-Learning ist. Auch der Reflexionsgrad ist recht unterschiedlich: Vom naiv Euphorischen bis zum kritisch Differenzierten.

Eine wichtige Etappe, aber kein Grund zum Ausruhen

Das Buch ist eine wichtige Etappe, aber kein Grund zum Ausruhen, so mein Fazit. Daher freue ich mich jetzt schon auf die Lektüre des neuen Buchs von Elke Berninger-Schäfer Online-Coaching und hoffe, dass ich bald Zeit zum Lesen finden werde. In der Tat, finde ich, sollte man das Feld nicht den quirligen, konzeptionell aber oft unbedarften Akteuren überlassen. Es ist höchste Zeit für die Etablierten, die Hausaufgaben zu machen und das Feld aktiv selbst zu gestalten.

Pflege des Coaching-Images

Image hat weniger mit Fakten als mit subjektiven Einschätzungen zu tun. Nicht was man oder frau selbst über sich denkt, ist relevant, sondern was sich marktseitig spiegelt. Der Aufbau und die Pflege des Coaching-Images ist für Beratungsdienstleistungen extrem relevant, denn Coaching ist eine Dienstleistung und somit ein Vertrauensgut, habe ich gerade in der aktuellen Ausgabe der schweizerischen Zeitschrift bso-Journal (1/18) resümiert: Spieglein, Spieglein an der Wand …

Image hilft vor allem beim Auswahlprozess. Das ist nicht trivial … Klappern gehört zwar zum Handwerk. Aber „richtig“ klappern sollte man können. Es soll nicht aufdringlich sein, aber auch nicht zu bescheiden. Ich habe einmal die Markenpsychologie für die Fragestellung quer gelesen: Gutes Image hat nicht zuletzt auch einen protektiven Wert.

Download: >> Beitrag im bso-Journal (1/18)

Online-Coaching mit Avataren?

Deutsche Coaches halten nicht viel von Online-Coaching, dass hat Jörg Middendorfs Coaching-Umfrage Deutschland 2016 sehr klar heraus gearbeitet. Das mag einerseits einer überheblichen Grundhaltung entspringen, die sich teilweise auch aus Unkenntnis speist. So glaube ich, befindet sich das Gros der etablierten Coaches auf dem medienpsychologischen Stand der 1980er Jahre (Stichwort: Kanalreduktion). Andererseits gibt es auch abschreckende Praxisbeispiele wie dieses Video eines virtuellen Coachings mit Shailia Stephens-Würsig (technologische Basis: TriCAT Spaces). Da stellen sich einem zu Recht die Nackenhaare auf!

So war es sicher ein Fortschritt für die Branche, dass sich der Erdinger Coaching-Kongress 2016 dem Thema Online widmete und dabei Sonnen- wie Schattenseiten virtuellen Coachings heraus arbeitete. Inzwischen ist der Kongressband erschienen, der die Tagungsbeiträge dokumentiert und um weiteres Material anreichert. Doch rückblickend betrachtet mein erster Eindruck beim Reinlesen: überholt … und teilweise altbacken. Es reicht einfach nicht, olle Kamellen der Sorte Marshall McLuhan aufzuwärmen oder mit einer schrägen und unpassenden Differenzierung zwischen Basismedien und Problemlösungsmedien zu hantieren. Das führt nicht weiter, sondern in die Irre. Ich werde meinen ausführlichen Kommentar zum Buch sicher noch schreiben, aber eins scheint mir heute schon wichtig zu sagen: Liebe KollegInnen, macht Eure Hausaufgaben, greift zum medienpsychologischen Lehrbuch! Sonst wird Online-Coaching ohne Euch stattfinden …

Avatare können inzwischen in Echtzeit interagieren

Dabei ist es absolut bemerkenswert, was sich in der Praxis schon abzeichnet. Ich habe schier Bauklötze gestaunt, als ich auf SimCoach gestoßen bin. Das US-amerikanische Militär hat (u.a.) ein Problem: Viele Veterane (z.B. Afghanistan) leiden am Posttraumatischen Belastungssyndrom – holen sich aber kein Hilfe. Die Konsequenz: viele Suizide. Was kann man also machen, um den Leuten ein niedrigschwelliges Angebot zu machen, das ihnen hilft, sich zu orientieren und nach Möglichkeit professionelle Hilfe zu suchen? SimCoach ist ein solches Angebot. Man kann dort anonym mit einem Avatar in Kontakt treten, der eine Hilfestellung anbahnen kann.

Doch das war erst der Anfang! Die Weiterentwicklung der Software kann Emotionen erkennen und adaptiv auf Klienten eingehen, wenn diese sich in den Video-Chat begeben. Schließlich haben die meisten Laptops, Tablets etc. heute eine eingebaute Kamera. Sie glauben nicht, das das funktioniert? Den Exkurs zum Altmeister der Emotionspsychologie Paul Ekman spare ich mir an dieser Stelle: Es funktioniert!

3D-Umgebung für Bewerbungstrainings

Das können nicht nur die Amis, inzwischen wird solches auch in Deutschland genutzt. So hat im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunkts InterEmotio das Projekt EmpaT eine interaktive 3D-Trainingsumgebung für Bewerbungsgespräche erforscht und entwickelt. Das erlaubt Personen, die eigenen sozialen und emotionalen Fähigkeiten in einem interaktiven Dialog mit virtuellen Avataren einzuschätzen und zu verbessern.

DFKI: Mehrkanal-Signal-Klassifikation für die Erkennung affektiver Signal-Sequenzen in EchtzeitDenn Bewerbungssituationen sind für Bewerber wie für Interviewer schwierige, hoch-emotionale Situationen. Die einen haben die Aufgabe, einen positiven Eindruck aufzubauen. Die andere Seite muss sich flexibel auf unterschiedliche Typen einstellen und das Bewerbungsgespräch zielorientiert führen. Das Softwaresystem des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) leistet die Echtzeit-Analyse sozialer Signale (Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung), so dass sich das Verhalten des Trainingsavatars flexibel an die individuelle sozio-emotionale Situation des Bewerbers anpassen kann. Dahinter liegt ein neu entwickeltes Benutzermodell für Emotionen (MARSSI: Model for Appraisal, Regulation and Social Signal Interpretation). Ausgehend von typischen Mensch-Mensch-Interaktionen wurden Mehrkanal-Signal-Klassifikatoren gelernt, die die Erkennung affektiver Signal-Sequenzen in Echtzeit erlauben.

Die Systeme werden immer besser – und die Coaches?

Inzwischen wurden 22 Akzeptanz- und Evaluationsstudien durchgeführt. EmpaT, so zeigen erste Studien, ist besser als die klassische Vorbereitung auf Job-Interviews (Angstreduktion, Körpersprache, Interviewperformance). Natürlich wird hier noch weiter geforscht und menschliche Coaches sind noch lange nicht überflüssig. Doch die Coaches, die in diesem Kontext – auch in Zukunft noch – einen Mehrwert bieten wollen, müssen nicht nur Meister der Kommunikation sein, sie müssen sich auch auf der Höhe der Zeit befinden was Emotionspsychologie sowie Medienkompetenz betrifft und dürfen keine Scheu haben, mit IT-Experten zu kooperieren.

Insofern bin ich sehr gespannt auf die weitere Entwicklung. So steht der diesjährige DBVC-Kongress unter dem Motto Business Coaching – The Next Level. Absolut gespannt bin ich auf das in Kürze erscheinende Buch Online-Coaching von Elke Berninger-Schäfer. Einen Vorgeschmack gibt das Interview mit ihr in der aktuellen Ausgabe 1/18 des Coaching-Magazins.

Lösungsfokussierung im Coaching

Lösungsfokussierung im Coaching umgibt seit Langem eine gewisse Aura, die mit Begeisterung und Skepsis zugleich beschrieben werden kann. Die berühmte Wunderfrage wird inzwischen von gar manchem quasi als Allzweckwaffe im Coaching eingesetzt. Doch „die Wunderfrage ist im eigentlichen Sinne keine einfache Frage“, hält Jörg Middendorf dagegen. „Es ist eher ein Dialog zwischen Klient und Berater, der sich dem Problem Talk anschließt und den Fokus weg vom Problem hin zur Lösung lenkt.“

Lösungsfokussierung: Einfach, aber nicht simpel

Middendorf (2017). Lösungsorientiertes CoachingJörg Middendorf ist eine schöne, kurze und doch differenzierte Einführung in lösungsorientiertes Arbeiten für Coaches gelungen. Sein neues Buch habe ich nicht nur gerne gelesen, sondern kurzerhand im Coaching-Magazin rezensiert.

Download: »» Beitrag im CM 1/18

Semantisches Vagabundentum

Die Zeitschrift „Familiendynamik“ wartet in der Ausgabe 1/18 mit dem Schwerpunkt Systemisches Coaching auf. Das musste ich mir gleich anschauen. Unter den vier Beiträgen sticht der von Dr. Hans-Rudi Fischer hervor. Er unternimmt eine Tiefenbohrung in die Philosophiegeschichte, um dem nachzuforschen, was er Semantisches Vagabundentum nennt: Von den Begriffen systemisch und Coaching wisse nämlich niemand so genau, was sie bedeuten sollen …

Ich war beeindruckt von seinen Ausführungen, aber auch irritiert, weil mir doch einige wichtige Aspekte fehlten. Daher habe ich mich gleich hingesetzt und einen Beitrag für managementwissenonline geschrieben. Dort zeichne ich seine Argumentation nach und ergänze sie durch m.E. wichtige Aspekte.

Ist Selbsterkenntnis prinzipiell möglich?

Der Plot der Fischerschen Denkfigur: „Der Ursprung Sokratischer Erkenntnisbemühungen liegt in der Erkenntnis des eigenen Nicht-Wissens. Daraus leitet sich die Suche nach wahrer Erkenntnis ab. Geht es um das Selbst, dann erkennen wir, dass wir nicht wissen, wer und was wir sind. Alles Streben nach Selbsterkenntnis mündet in einen Suchprozess, der problematisch ist. Warum? Wenn wir nach etwas suchen, sollten wir wissen, wonach (was) wir suchen (…). Geht es allerdings um die Suche von etwas, das man (noch) gar nicht kennt, das unbekannt und unbestimmt ist, von dem man daher nicht weiß und nicht wissen kann, ob es das war, was man gesucht hat, wenn man es gefunden hat, landen wir in einer Paradoxie (…). Haben wir unser Selbst gefunden oder erfunden?!“ (S. 13).

Das ist eine starke Pointe! Es fehlt aber meines Erachtens der nächste Schritt. Das konsequente Weiterdenken mittels der Erkenntnisse der modernen Neurobiologie

Wo Coaching zu Hause ist

Dass ein solches Buch über die Räume, in denen Coaches arbeiten, erscheint, zeigt wie hoch die Profession das Thema Reflexion hängt. Hier bündelt und bricht sich das Thema Coaching basal: Coaching-Räume und ihre Gestaltung betrifft Coaches – aber auch deren Klienten. Sie werden zur Bühne, zur Lounge, zum Refugium.

Beratungsräume und ihre Gestaltung

Martens-Schmid (2016). Wo Coaching zu Hause istWer eine Ahnung davon bekommen möchte, worin die Arbeit von Coaches besteht, folgt der Autorin und ihrem Fotografen durch diese Räume. Sie stellt das Dialogische heraus und führt diesen Dialog zugleich. Ein schönes Buch! Ich habe es gerne gelesen und es daher auch lobend aktuell im Coaching-Magazin rezensiert. Download: »» Beitrag im CM 4/17

Kunst und Coaching – ein zweiter Anlauf

Zuletzt habe ich über meinen Besuch der Documenta 14 berichtet. Nun war ich, nach zweimaligem Aussetzen, wieder in Venedig auf der Biennale: Was für ein Unterschied! Nicht nur von den Örtlichkeiten her, sondern auch inhaltlich. Hatte ich die Documenta als „Weltfestspiele der Kunst“ bezeichnet, so nehme ich das für diese Ausgabe definitiv zurück. Im Nachhinein erscheint sie im Gesamten eher provinziell. Mit ihrem penetranten, platten Antikapitalismus und ihrer Attitüde des politisch Korrekten, war vieles, was ich in Kassel gesehen habe – abgesehen von Ausnahmen – einfach kleinkariert. In Venedig war alles anders. Kunst und Coaching – ein zweiter Anlauf.

Humanismus – eine positive Botschaft

Es beginnt schon mit dem Motto: Humanismus – eine positive Botschaft. Da traf es sich ganz wunderbar, dass ich letztens in Rotterdam auf den Stadtpatron Erasmus aufmerksam wurde und mir sogleich eines seiner Schlüsselwerke besorgt hatte: Lob der Torheit. Was für ein wunderschönes Stück Literatur hat der Zeitgenosse von Martin Luther und Thomas Moore da geschaffen (1509). Das Meiste, was ich dort lesen konnte, hat heute noch Geltung. Eine anregende Lektüre auch für Coaches, nimmt doch der Meister dort der Reihe nach die Berufsstände auseinander, dass es nur so eine Freude ist. Getreu dem alten biblischen Motto (Prediger Salomos): alles eitel …

Jana Zelibska - Swan Song Now, Biennale Venedig 2017Zurück nach Venedig. Was sich bewährt hat, haben wir auch dieses Jahr gemacht: Ein Tag in die Gardini, ein weiterer in den Arsenale und am dritten haben wir uns gezielt „umliegende Ortschaften“ vorgenommen. Schon die ersten Pavillons haben uns überzeugt: Russland, Tschechoslowakei, Japan, Deutschland – wenn das Ensemble auch gerade seinen freien Tag hatte (einen Eindruck der Performance erhält man mit diesem Video). Wunderschön meditativ ist bspw. die Installation der Tschechin Jana Želibská: Swan Song Now. Vor einer monumentalen Projektion des Meeres mit seinen Wellenbewegungen und dem Geräusch der Brandung hat die Künstlerin etliche künstliche Schwäne auf Inseln positioniert und illuminiert. An der Seite gibt es ein Video eines Mädchens, oder ist es eine junge Frau? Der Schwan als heiliges Tier symbolisiert die innere Klarheit, aber auch den Wandel. Eine Oase in einer Welt, die den Kontakt zum Humanen oft verliert.

Conditio Humana

Evan Penny - Marsia, Chiesa di San Samuele, Biennale Venedig

Dann durfte natürlich die Bezugnahme auf den Gekreuzigten in dieser Biennale nicht fehlen. Einerseits liefern Roberto Cuoghi, Adelita Husni-Bey und Giorgio Andreotta Calò mit ihrem Il Mondo Magico (The Magic World) im italienischen Pavillon ein Beispiel für die kritische Auseinandersetzung mit der Conditio Humana. Ihre Fabrik spielte einerseits auf die Massenproduktion und Verwertbarkeit ab, ließ andererseits aber auch Anklänge an Frankenstein durchscheinen – der Mensch, letztlich unerlöst? Dazu passten hervorragend die Arbeiten von Evan Penny, die wir in der Chiesa di San Samuele unter dem Motto Ask Your Body fanden. Seine Figuren erinnern in ihrer Elongation an Giacometti, sind aber überdimensioniert naturgetreu mit Silikon modelliert, selbst mit Körperhaaren ausgestattet. Wieder die Frage nach der Conditio Humana, die eben auch viele Coaching-Kunden umtreibt: Wofür rackere ich eigentlich den ganzen Tag? Und was hat am Ende des Tages Bestand? Ich denke, dass die Betrachtung solcher Kunst emotionale und existenzielle Tiefenschichten ansprechen kann und im Dialog zu neuen Einsichten und Klärungen führen kann.

Bù xī – ein Kontinuum

Tang Nannan - marrow return, Biennale Venedig 2017Als eine echte Überraschung entpuppte sich für mich aber der chinesische Pavillon! Die chinesische Kultur ist Jahrtausende alt und zeichnet sich durch einige spektakuläre Kunstgattungen aus. Das Schattenspiel und Scherenschnitt, die Kalligrafie, die Malerei und Stickerei und andere. Zudem gibt es einige Schlüsselerzählungen, die mir nicht ganz unbekannt sind – 20 Jahre Tai Chi Yuan hinterlassen so ihre Spuren. Eine davon ist die Geschichte vom mystischen Vogel Jingwei (Nuwa), der die See im Osten mit Geröll auffüllen wollte. Oder die des verrückten alten Manns, der mit seiner Familie über Generationen hinweg einen Berg abtragen wollte. Die Künstler des chinesischen Pavillons verknüpfen diese Sujets mit berühmte Malereien der Song-Dynastie (12. Jh.), Skeleton Fantasy Show von Li Song und Twelve Images of Water Surging von Ma Yuan. Daraus ergibt sich anregende Conceptional Art, die ihrem Motto Generation by Generation – A Theatre of Collaboration eindrucksvoll gerecht wird. Die modernen Künstler nutzen natürlich Video und andere modernen Mittel. Besonders gefallen hat mir die Arbeit von Tang Nannan Marrow Return. In dieser unspektakulären Videoprojektion, an der vermutlich der eine oder die andere achtlos vorbei gegangen sind, klingen die Brandungsbilder und der mystische Vogel, der in die Tiefe der See blickt, wieder an. Absolut beeindruckend.

Drei Tage Venedig können anstrengend sein, aber die Anregungen lohnen sich allemal.

E-Coaching

Das Thema Digitalisierung steht definitiv an: Jetzt hat auch der DBVC seinen nächsten Kongress 2018 unter das Motto Business Coaching – The Next Level gestellt. Da drängt sich selbstverständlich die Frage auf: Was heißt das fürs Coaching? Ist E-Coaching das nächste Level?

Ich bin da noch nicht ganz von überzeugt. Die große Mehrheit der Coaches äußern sich ja derzeit noch recht zurückhaltend, wie ich schon kommentiert habe. Aber keine Frage, das Thema kommt … Und so war ich natürlich sehr gespannt, was Dorothea C. Adler und Dr. Astrid Carolus in ihrem aktuellen Beitrag E-Coaching. Neuland, das es sich zu betreten lohnt? im Coaching-Magazin zu sagen haben würden. Ihre Studie legt besonderes Augenmerk  auf alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede im Mediennutzungsverhalten.

Es gibt nicht Gutes, außer man tut es!

Der weitverbreiteten Ansicht, dass medial vermittelte Kommunikation immer defizitär sei, widersprechen sie. Das hat mich gefreut zu lesen. So lautet ja auch der aktuelle medienpsychologische Stand der Forschung. Ebenso erfreulich waren für mich die Ergebnisse, dass alters- und geschlechtsspezifische Unterschiede erwartungswidrig keine Rolle spielen. Was nun? Ich denke, das ist zunächst positiv. Die Bereitschaft ist da, jetzt brauchen wir einfach noch mehr Erfahrung. Es gibt nicht Gutes, außer man tut es!

Und noch eines, denke ich, wäre hilfreich: Nämlich von der instrumentalistische Denke weg zu kommen: Coaching mit neuen Medien. Vielleicht wäre es anregender zu formulieren: Coaching in neuen Medien.

Die systemische Haltung

Manche Coachs antworten auf die Frage, was ihre systemische Ausrichtung charakterisiere, dies würde sich in ihrer Haltung zeigen. Das mag vielleicht stimmig sein, ersetzt aber für den neugierigen Kunden bloß ein Wort durch ein anderes, wenn es nicht entsprechend kundig ausgeführt wird.  Was also kennzeichnet eine systemische Haltung?

In der Literatur findet man häufig edle Attribute aufgezählt:

  • die Autonomie des Kunden wahrend
  • Respekt zeigend
  • empathisch sein
  • authentisch sein
  • auf jeden Fall die gemeinsame Augenhöhe einhaltend
  • und ggf. noch Weiteres

Erst in konkreten Situationen zeigt sich Haltung

Erpenbeck (2018). Wirksam werden im KontaktDas mag richtig sein, bleibt aber oft blutleer, weil es zunächst bloß ein Versprechen ist. Da Coaching eine Dienstleistung ist, man also im Vorhinein niemals sicher sein kann, was man in der konkreten Situation bekommt, ist man erst im Nachhinein schlauer. Und manchmal leider auch enttäuscht – wie ich schon einmal an einem Beispiel dargelegt habe.

Mechthild Erpenbeck hat ein Buch zur systemischen Haltung veröffentlicht, das nun genau dieses Versprechen im Vorhinein für Klienten offenbar macht, indem sie es an konkreten Beispielen transparent macht: Wirksam werden im Kontakt. Es ist ein schönes Lesebuch, das ihre Coaching-Praxis lebendig ausleuchtet und ihre professionelle Haltung verständlich und nachvollziehbar werden lässt. Ich habe es gerne gelesen und es daher auch lobend aktuell im Coaching-Magazin rezensiert. Download: »» Beitrag in CM 3/17