Archiv der Kategorie: Psychologie

Framing – Über die Wirkung von Sprache

Über das Thema, wie Sprache die Wahrnehmung der Welt beeinflusst, ist schon viel gesprochen worden. Auch darüber, welche Wirkung von Sprache auf unser Urteilen festzustellen sind. Im Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Wahlkampf elektrisierte nun die These, es sei ein gezieltes Framing, also eine manipulative Inszenierung, geschehen. Sprache ist verräterisch – wenn es auch der eine oder die andere nicht gleich bemerkt haben sollte.

9783869622088In meinem Beitrag für managementwissenonline.de habe ich das Buch von Elisabeth Wehling besprochen und diesem das Lehrbuch von Jörg Matthes gegenüber gestellt. Fazit: Ja, man kann an Sprache so ran gehen und ihre Mechanismen erforschen. Aber man sollte es kritisch und seriös machen. Dass oft von Steuerlast statt von Steuerbeitrag gesprochen wird, ist ein Beispiel, das zeigt, wie man Menschen mit Frames (Rahmen, Perspektiven) steuern kann. Das mag einleuchten. Doch der kritische Leser wartet bei Frau Wehling vergeblich auf Häufigkeitsstatistiken. Man bekommt aber nur einzelne Belege. Was nicht gerade das Vertrauen in ihre Argumentation unterstützt.

Framing vs. Qualitative Inhaltsanalyse

Jörg Matthes (2014). FramingJörg Matthes geht da nüchterner vor. Sein Lehrbuch klärt nicht nur die Begrifflichkeiten, sondern legt auch die Entwicklungsgeschichte dar. Dann werden Forschungslogik und Methoden dargelegt. All das geschieht recht umsichtig, kritisch und – welche Freude – nicht verquast, sondern leicht verständlich. Daher ist auch das Kapitel über empirische Befunde sehr erhellend, weil nur so deutlich wird, was man belastbar sagen kann und wo die Spekulation lauert. Dass Framing nicht zur Universalwaffe taugt, sich ihm trotzdem gerne in der Absicht bedient wird, versteht man leicht, wenn man sich die Weiterentwicklungen in der Theoriebildung anschaut. Es wird halt gerne versucht, so manches unter dem Framing-Dach unterzustellen, was da nicht unbedingt hingehören muss, so die abschließend, ernüchternde Kritik des Autors.

Philipp Mayring (2015). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (12. Aufl.)Da lobe ich mir doch die gute alte Inhaltsanalyse nach Mayring, die die Nachvollziehbarkeit methodisch verankert hat. Ich lasse gerne meine Studierenden mit dieser Methode arbeiten, erscheint mir ihre Validität gegenüber anderen Methoden doch deutlich ausgeprägter zu sein.

 

Über den Phantomschmerz in der Psychologie

Wolfgang Schönpflug: Psychologie - historisch betrachtet: Eine EinführungEin kleines Büchlein von Wolfgang Schönpflug über „Psychologie – historisch betrachtet“ war mir wärmstens empfohlen worden. Ein spannendes Thema, das mir seit der Lektüre von Ulfried Geuters „Die Professionalisierung der deutschen Psychologie im Nationalsozialismus“ nicht mehr aus dem Sinn geht. Weshalb mir auch sehr am Herzen liegt, meinen Studierenden die 100 Jahre Wirtschaftspsychologie als Wechsel verschiedener Paradigmen  zu vermitteln.

Die Einheit der Psychologie

Nun, leider hat mich das Büchlein von Wolfgang Schönpflug nicht überzeugt 🙁 Schönpflug ist definitiv belesen, meint es vermutlich nur gut und will mit seinen 80 Jahren offenbar noch einmal Spuren hinterlassen. Aber für mich leidet er an der alten „Psychologenkrankheit“: Er trauert der „Einheit der Psychologie“ hinterher. Doch diese hat es nie gegeben. Wie heißt es schon in der Bibel (Pred. 1,14): Das ist Haschen nach Wind …