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Kontextwechsel – Zeitreise mit den Stummfilmtagen

34. Internationale Stummfilmtage BonnGerade erst habe ich eine Anregung zum Perspektivenwechsel gegeben. Nun folgt eine zum Kontextwechsel. Wie wäre es mit einer Zeitreise? Wie sah die Welt vor 100 Jahren aus? Was können wir daraus für heute lernen? In Bonn laufen wieder die internationalen Stummfilmtage – zum 34. Mal und wie immer anregend.

Neben mir saß eine Mutter mit ihrem jungen Sohn, der schlicht Bauklötze staunte: Ein Film in schwarz-weiß, ohne Ton, statt dessen mit Live-Musik-Begleitung. Keine schnellen Schnitte: Früher erzählte man Geschichten ohne schnörkel- und atemlose Suspense-Dramatik. Man erlaubte sich auch den einen oder anderen Nebenweg im Erzählfluss. Mimik und Gestik wurden betont, weil ja der Ton fehlte. Was faszinierend ist, man sieht Schauplätze, Technik, Moden, Verhaltensweisen, die es heute nicht mehr gibt. Sie werden im Film lebendig und beschäftigen das Publikum, das natürlich parallel mit dem Heute vergleicht.

Das ist lehrreich. Deshalb zeige ich meinen Studierenden gerne solche Filmausschnitte in meinen Veranstaltungen. Bspw. jenen berühmten Ausschnitt aus Charly Chaplins „Modern Times“ (1936), jene geniale frühe Karikatur des Taylorismus: Chaplin am Fließband. Um dann selbstverständlich einige Fragen hinterher zu schieben: Gibt es solche Arbeitsprozesse heute in Ihrem Arbeitsalltag auch noch? Wo sind die Unterschiede, wo die Gemeinsamkeiten? Was hat sich verändert in 100 Jahren – gesellschaftlich, technologisch, beim Bildungsstand der Mitarbeiter, im Bereich Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung, bei der Mitarbeiterführung?

Es dauert in der Regel nur wenige Minuten, bis wir dann bei aktuellen Fragestellungen sind und feststellen, das die vermeintlich ollen Kamellen brennend aktuell sind. Denn die alten Fragen stellen sich angesichts der Digitalisierung mit neuer Schärfe … In meinem Buch führe ich die systemischen Grundlagen (Perspektiven- und Kontextwechsel) für Interessierte weiter aus.

Perspektivenwechsel – mit M.C. Escher

Wenn ich nach den Grundlagen systemischen Denkens gefragt werde, verweise ich u.a. auf die Stichworte Kontext- & Perspektivenwechsel. Das klingt vielleicht für den einen oder die andere zunächst sperrig und erklärungsbedürftig, daher suche ich immer wieder anschauliche Beispiele. Beim Thema Perspektivenwechsel geht kein Weg am Künstler M.C. Escher vorbei. Wer kennt seine Zeichnungen nicht? Sie eignen sich auch ganz hervorragend als visuelle Inputs in Coaching-Prozessen.

Nachdem ich in 2016 die große Escher-Ausstellung in heimischen Brühl (Max Ernst Museum) gesehen hatte, war nun der Kontextwechsel an der Reihe. Auf unserer Radtour rund ums Ijsselmeer haben wir auch einen Abstecher nach Leeuwarden gemacht, der europäischen Kulturhauptstadt 2018. Das Fries Museum zeigt den Meister in einer großen Ausstellung – achtzig Originalgrafiken, etwa zwanzig Zeichnungen und verschiedene Fotos und Gegenstände – bis zum 28. Oktober.

Leeuwarden – europäische Kulturhauptstadt

Der Besuch in Leeuwarden lohnt sich, weil dort noch viel mehr auf die Besucher wartet. So auch das Straßentheater-Ensemble Royal de Luxe mit The Giants (17.-19. August). Oder das faszinierende multimediale Projekt rund um Sprache: Lân fan taal (Land der Sprache). Neben der Escher-Ausstellung also weiteres exzellentes Brain-Food für Coaches – und Führungskräfte, die Anregungen zur Erweiterung des Horizonts suchen. Wen die theoretische Fundierung der systemischen Grundlagen interessiert, findet dazu in meinem Buch weitere Informationen.

Forschungskongress: Coaching meets Research

Das waren wieder anregende Kongresstage im Juni auf dem 5. Internationalen Forschungskongress „Coaching meets Research“ an der FHNW in Olten (Schweiz). Wie vor zwei Jahren  waren Organisation und Moderation perfekt. Die Mischung an Formaten und Themen ließ keine Langweile aufkommen. Als Biennale der Coaching-Szene bietet die Veranstaltung die Möglichkeit zum Austausch, zum Netzwerken und zum Blick über den Tellerrand.Forschungskongress Coaching meets Research 2018 in Olten (Schweiz)

Die Themen „Organisation, Digitalisierung und Design“ standen auf dem Kongress im Vordergrund. Und damit vor allem die Chancen und Risiken der digitalen Arbeitswelt sowie die daraus resultierenden Herausforderungen an Coaching und die Coaches. Eine bemerkenswerte Stimme aus der abschließenden Podiumsdiskussion: ZHAW-Forscher Professor Hansjörg Künzli warnte, jeden Tag würden neue Beratungsangebote von Selbsthilfegruppen im Internet aufgemacht, in der Psychotherapie sei „online“ lange schon angekommen, die Wirksamkeit sei mit der „Offline“-Form definitiv vergleichbar, deshalb dürften etablierte Coaches den neuen Herausforderungen nicht vornehm aus dem Weg gehen. – Ganz meine Meinung!

Der wissenschaftliche Fortschritt, das zeigte sich, bewegt sich inzwischen in gutem, breitem Fahrwasser. Die Diskussions- und Kooperationskultur funktioniert. Keine Frage, dass ich in 2020 wieder dabei sein will.

Hier mein ausführlicher Bericht für Coaching-Report.

Coaching als Selbstoptimierung?

Derzeit kann man am Kölner Theater eine schöne Komödie sehen: „Wir wollen Plankton sein“ – von Julian Pörksen. Es geht darum, wie man heute noch Theater machen kann, wo doch schon alles gesagt worden ist? Dabei geht es gar nichts so sehr um abgründig existenzielle Fragen wie bei Samuel Beckett. Sondern es wird schlicht der Status der totalen Erschöpfung festgestellt. Alles Fragen, alles Antworten hat sich tot gelaufen. Doch die Maschine der Selbstoptimierung rattert weiter – im Leerlauf.

Was für eine schöne Metapher. Und kein Schelm, dem gleich die Stichworte Hyperaktivität und Burnout dazu einfallen. Sind das nicht oft die Themen, die Menschen umtreiben, ins Coaching zu kommen, weil – da muss doch noch was gehen …? Da kann man dann auch schön auf die dicke Weltuntergangstrommel hauen. Oder bescheidener formulieren: „Das kann doch nicht alles gewesen sein …“. So textete seinerzeit Wolf Biermann (den ich übrigens Anfang der 1990er-Jahre die Ehre hatte, intensiv zu interviewen, was dann in mehreren Beiträgen in Print und Rundfunk erschien).

Revolutionär oder konterrevolutionär?

Pörksen ist da als Autor klar, einfach und konträr zu den Vorläufern, indem er die Parole ausgibt: Verschwende Deine Zeit! Ist das nun revolutionär oder konterrevolutionär? Oder schlicht das richtige Stück zur richtigen Zeit, wie Christian Bos im Kölner Stadtanzeiger mutmaßt?

Nichtstun als Tun. Sabotage als Agitation. Wenn die Mittelmäßigkeit wieder zur Normalität wird, wird Entspannung rehabilitiert. Vita activa, vita contemplativa – wenn das nicht ein gutes Thema für’s Coaching ist …

Haltung im Coaching

Der Beitrag von Heide Straub in der Ausgabe 10/2016 der Zeitschrift „wirtschaft + weiterbildung“ über „Widerstände im Coaching“ ärgert mich. Systemisch denkenden Coaches würden den Begriff vermeiden. Das ist eine Frage der Haltung. Denn Widerstand suggeriert mangelnde Compliance. Nach dem Motto, der Coach meint es doch gut mit dem Klienten, aber der ist bockig!

Na ja, Frau Straub ist nachsichtig und sagt: „Widerstand ist legitim“. Man respektiert die Barriere und arbeitet mit ihr. Doch in der Definition von Widerstand wird unterstellt, der Coach weiß es besser als der Klient, sie oder er ist Experte. Der Klient geht aber (noch) nicht mit. Daher muss die Barriere überwunden werden. Die erste heißt laut Straub „Einsichtsbarriere“. Da denke ich mir doch gleich: Und bist Du nicht willig … Peitsche oder Zuckerbrot? Frau Straub wählt letzteres. Sie stellt Fragen, spricht Themen, Ängste, Unsicherheiten an.

Doch Sprache ist verräterisch

Warum so martialisch? Barrieren, Widerstände müssen weggeräumt, überwunden, untergraben werden. Das ist eine klar einseitige Beziehungsdefinition. Widerstand ist unidirektional. Ich würde die Arbeitsbeziehung zweiseitig definieren: auf Augenhöhe. Weil ich es mir nicht anmaße, alles jederzeit besser zu wissen im Coaching. Für mich ist Coaching Koproduktion. Wenn diese nicht rund läuft, wenn wir nicht „im 4. Gang“ fahren, dann mangelt es an Resonanz. Wir beide sind gefordert. Ich denke, das ist ein bemerkenswerter Unterschied in der Haltung.

Vorbilder in Führung und Organisation

Osmetz et al (2016). Musterbrecher - Der FilmIch erinnere mich an ein Abendessen an der EBS in Oestrich-Winkel vor einigen Jahren, bei dem mir Professor Hans Wüthrich vorgestellt wurde, mit dem ich mich dann länger und angeregt unterhalten habe. Natürlich war mir sein Buch „Musterbrecher. Die Kunst, das Spiel zu drehen“ nicht entgangen. Jetzt hat er zusammen mit seinen KollegenMusterbrecher – Der Film“ als DVD herausgebracht. Sehr anregend nachzuvollziehen, wie Führungsmuster erkannt und verändert werden können!

Absolut sehenswert

Natürlich sind mir auch gleich die Augenhöhe-Filme eingefallen, die ebenfalls anregend die Themen neue Führung und Organisation illustrieren. Deshalb habe ich gleich mal einen Post für MWonline produziert. Denn: Das muss man sich anschauen!