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Grundlagenwerk: Coaching und Neurobiologie

Unsere klassischen, tradierten Vorstellungen vom Funktionieren der Psyche – wie wir sie aus der Psychoanalyse oder auch aus der Verhaltenstherapie kennen – wurden durch enorme Fortschritte der Neurobiologie der letzten beiden Jahrzehnte radikal in Frage gestellt. Das hat sich zwar hier und da schon herum gesprochen, doch darf man getrost daran zweifeln, dass die Erkenntnisse auch in der nötigen Breite und Tiefe angekommen  sind – und entsprechende Konsequenzen eben auch im Coaching zeitigen konnten.

Das hat natürlich Gründe. So bedarf es sicher einer gewissen mentalen Anstrengung, sich up to date zu halten. Die Theorie-Praxis-Kluft scheint insbesondere in der unregulierten Coaching-Szene nicht unerheblich zu sein. Daher kommt dieses Buch gerade richtig. Der Anspruch der Autoren ist, das erste neurowissenschaftlich fundierte Grundlagenwerk für Coaching vorzulegen.

Ein Grundlagenwerk

Gerhard Roth / Alica Ryba: Coaching, Beratung und Gehirn. Stuttgart: Klett-Cotta. https://www.klett-cotta.de/buch/Psychologie/Coaching_Beratung_und_Gehirn/74868Meine Rezension ist soeben im Portal „MWonline“ erschienen. Der Wert dieses Buchs liegt insbesondere in seiner breiten Perspektive, liest es sich in weiten Strecken doch wie ein Grundlagenwerk zur Allgemeinen Psychologie. Das ist jetzt für (Wirtschafts-)Psychologen, die in den letzten zehn bis 15 Jahren studiert haben, nicht wirklich neu 😉 aber den anderen im Coaching-Feld Tätigen empfehle ich das Buch umso mehr.

Psychische Störungen und Coaching

Ich habe letztens erst mokiert, dass Coaches entweder nach dem Motto „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ gerne „präventiv“ ausschließen, sich mit psychischen Störungen zu beschäftigen. Oder im Gegenteil: Sie verharmlosen naiv oder dreist die Dinge nach dem Motto: Burnout – das ist doch unser täglich‘ Brot … Frederik Werner und ich hatten im Beitrag für das Coaching-Magazin die politische Forderung aufgestellt, das Thema psychische Störungen in die Curricula der Coaching-Weiterbildungen aufzunehmen.

Replik und Anregung

Leider haben sich die ersten Reaktionen auf unseren Beitrag (Leserbriefe) mit unserer politischen Forderung gar nicht befasst. Das hat uns doch sehr befremdet. Download der Replik: Beitrag in CM 3-16

Ina Riechert: Psychische Störungen bei Mitarbeitern Ein LeitfadenJetzt habe ich eine Bucherscheinung von Ina Riechert bei MWonline positiv besprochen. Ich empfehle sie als Basislektüre zum Thema psychische Störungen gerne. Es soll mal keiner behaupten, es gebe da nichts Passendes, der Aufwand sei unangemessen hoch oder das Thema außerhalb der eigenen Domäne: keine Ausreden mehr!

Coaching-Theorie. Eine Einführung

Michael Loebbert: Coaching TheorieIch habe ein wichtiges Buch gelesen: „Coaching-Theorie“ von Michael Loebbert. Am Ende meiner Besprechung in der Zeitschrift „OSC – Organisationsberatung – Supervision – Coaching“ (1/16) werde ich auch deutlich: „Manchen Praktikern mag die Mühe des Denkens und der Auseinandersetzung zu anstrengend sein. Diese werden sich aber zunehmend fragen lassen müssen, ob sie professionelle Dienstleister sein wollen oder Dünnbrettbohrer.“

Da werden manche jetzt wieder giften 😉 Aber drunter geht nicht.

Über den Phantomschmerz in der Psychologie

Wolfgang Schönpflug: Psychologie - historisch betrachtet: Eine EinführungEin kleines Büchlein von Wolfgang Schönpflug über „Psychologie – historisch betrachtet“ war mir wärmstens empfohlen worden. Ein spannendes Thema, das mir seit der Lektüre von Ulfried Geuters „Die Professionalisierung der deutschen Psychologie im Nationalsozialismus“ nicht mehr aus dem Sinn geht. Weshalb mir auch sehr am Herzen liegt, meinen Studierenden die 100 Jahre Wirtschaftspsychologie als Wechsel verschiedener Paradigmen  zu vermitteln.

Die Einheit der Psychologie

Nun, leider hat mich das Büchlein von Wolfgang Schönpflug nicht überzeugt 🙁 Schönpflug ist definitiv belesen, meint es vermutlich nur gut und will mit seinen 80 Jahren offenbar noch einmal Spuren hinterlassen. Aber für mich leidet er an der alten „Psychologenkrankheit“: Er trauert der „Einheit der Psychologie“ hinterher. Doch diese hat es nie gegeben. Wie heißt es schon in der Bibel (Pred. 1,14): Das ist Haschen nach Wind …

Affektlogik: Wut-Hass-Spiralen

Luc Ciompi & Elke Endert: Gefühle machen Geschichte_Die Wirkung kollektiver EmotionenBitter, wenn man so schnell von der Wirklichkeit (den Anschlägen in Brüssel) eingeholt wird … Am Abend vorher erst war mein Post bei MWonline erschienen. Ich muss zugeben, es hat etwas gedauert, bis ich Zeit fand, das Buch von Luc Ciompi & Elke Endert zur Affektlogik zu lesen. Es handelt von Wut-Hass-Spiralen als der Basis der Gewalt.

Verstehen und widerstehen

Die Ausführungen und die symmetrische Eskalation der Gewalt sind einleuchtend. Es bedeutet trotzdem eine Herausforderung für uns, sich nicht mitreißen zu lassen. Zum Verstehen sollte auch gehören, sich einzugestehen, dass wir unseren gesellschaftlichen Integrationsjob in der Vergangenheit nicht erfolgreich erledigt haben.

Übrigens habe ich mich an das Buch von Frantz Fanon „Die Verdammten dieser Erde“ – und natürlich an das Vorwort von Jean-Paul Sartre – erinnert; aber das wäre ja noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Lehrbuch: Systemisches Coaching

Thomas Webers: Systemisches Coaching. Psychologische Grundlagen

Nicht das erste Buch mit dem Titel. Doch keines der vorliegenden hatte mich bislang überzeugt. Allerdings hatte ich mir das leichter vorgestellt: Ein eigenes Buch zu schreiben! Mit 20 Jahren Redaktionserfahrung auf dem Buckel und einer seit vier Jahren ständig verfeinerten Hochschulveranstaltung im Repertoire sollte das doch kein Akt sein, dachte ich mir … Weit gefehlt!

Genau an dieser Stelle beginnt die Arbeit erst. Man schlägt noch mal nach, gräbt noch mal tiefer, schaut über den Tellerrand hinaus. Dann hadert man und holt sich Feedback, wirft noch einmal alles über den Haufen – und beginnt wieder neu. Ich weiß jetzt, was es heißt, sich etwas abzuringen.

Psychologische Grundlagen

Inzwischen – nach der Veröffentlichung im Sommer 2015 – gibt es etliche anerkennende Rezensionen, positive Verkaufszahlen – und schon wieder neue Anregungen für die zweite Auflage.